Kerzenschein mit Nebenwirkungen - Julius und ChinJulia 46/2007
© 2007 Liv Ryno
Nach diesem aufregenden Sommer mit viel Hitze, … vielen Abenteuern an der Spree und auf dem Reiterhof mit Julius’ großer Freundin Laila – deren Pferd Bella und A Shanti – kam so langsam aber sicher der Herbst daher. Mit Regen, trüben Tagen und viel Wind, der die Blätter von den Bäumen wehte und am Boden mit ihnen raschelnd spielte.
Julius und ich gingen jetzt gern Sonntags ins Planetarium, da sitzt man trocken, warm und lernt obendrein etwas über das WeltAll mit seinen Sternen und Planeten. Julius nahm den gebotenen Lernstoff sehr gut auf und beteiligte sich rege, wenn die Dozentin Fragen zum Gesehenen stellte. So wurde einmal gefragt, wie der „Knochen“ genannt wird – Julius meldete sich als Einzigster, kam dran und antwortete klar und deutlich „Planetariumsprojektor“ – o.k.! Alle anderen Kinder staunten nicht schlecht, was der Knirps da fließend von sich gab. Julius war richtig stolz.
Nach solchen Erlebnissen machten wir es uns zu Hause kuschelig und redeten noch über das eben gesehene Programm im Planetarium. Nachmittags wurde es rasch dunkel und wir zündeten zum Vesper Kerzen an, vorzugsweise Teelichter im Salzkristall und Kerzen auf hohen Kerzenständer.
Diese riefen natürlich unseren neugierigen Chinchilla auf den Plan. Sie war schon die ganze Zeit im Wohnzimmer und lauschte mit gespitzten Ohren, was Julius und ich so sprachen. Das da nun auch noch Kerzen angezündet wurden, ein Highlight für die Pelznase. Schwupps saß sie auf dem Tisch und sah sich um. Mmmh leckere kleine Kekse, bäh Kaffee und Kakao – da schüttelte sie ihren Kopf, schnappte sich ein Keks und schnurpselte ihn genüsslich auf.
So, nun gucke ich mir mal diese leuchtenden Dinger an. Ehe ich etwas sagen konnte, war ihr Köpfchen über dem Salzkristalllicht und es passierte das, wo vor ich sie nicht mehr bewahren konnte.
Es brutzelte, knisterte, roch merkwürdig und unsere ChinJulia schimpfte, fuhr mit den Vorderpfötchen immerzu über den nicht mehr vorhandenen Wunzenbart unter ihrem Mäulchen lang. Zur Beruhigung der Leser, die langen Wunzen waren nicht versengt, auch keine Haut etc.
Trotzdem saß uns der Schreck in den Gliedern. Wir trösteten unser Fellherzchen, sie war selbst erschrocken über das was geschehen ist und merkt es sich hoffentlich, wenn ich demnächst sage „Nein, Nein“.
Julius krabbelte ChinJulia hinterher, sie „schlurfte“ mit dem Mäulchen ganz flach über dem Fußboden – weil ihr die feinen Wunzen zum Tasten bzw. Abstand halten fehlten. Der Trost von ihrem Julius tat ihr sichtlich gut und ChinJulia kuschelte sich ganz dicht an ihren kleinen Freund.
Irgendwie sah es putzig aus, auf der anderen Seite tat uns unsere kleine süße ChinJulia leid. Auf dem Laminat sah es noch merkwürdiger aus, aber niemand konnte darüber lachen. ChinJulia hatte das Mitgefühl ihrer Menschen.
Die versengten Wunzen sind mittlerweile nachgewachsen und die kleine Pelznase macht einen respektvollen Bogen um offenes Kerzenlicht. Wir stellen auch keine brennenden Kerzen mehr in ihre Reichweite. Nicht umsonst heißt es: “Messer, Schere, Licht gehören in „Chinpfötchen“ nicht ….!
© 2007 Liv Ryno






