Weihnachtszeit für ChinJulia 35/2006
© 2006 Liv Ryno
Weihnachten, die Zeit in der alle näher zusammenrücken und die Geborgenheit der Familie genießen. Besonders leckere Düfte und warmes Kerzenlicht geben ein wohliges Gefühl. Und jeden Tag gibt es eine kleine Überraschung aus dem Adventkalender, auch für unsere kleine Pelznase.
Für ChinJulia ist diese Zeit des Jahres immer die aufregendste, jeden Tag gibt es Neues für sie zu entdecken und bei allem möchte sie dabei sein. Wir hatten so manches mal unsere Mühe das kleine Wollknäuel von der Weihnachtspyramide fern zu halten, trotzdem schaffte sie es die Kerzen speziell nach ihrer Art zu kennzeichnen oder sie versuchte sie wegzuschleppen.
Ganz besonders frech waren ihre Attacken auf die Figuren der Pyramide, ChinJulia sah sich die Figuren interessiert an und schnupperte, alles noch harmlos. Plötzlich schnappte sie sich ein kleines Schäfchen und hoppelte, so schnell sie mit ihrer Beute konnte, unter das Bett, in ihr bevorzugtes Versteck. (Vermissten wir etwas – ein Blick unters Bett genügte.) Dort setzte sie sich auf das Schäfchen, so dass wir es nicht gleich entdecken konnten. – Ich bin gaaaanz unschuldig, Sucht ihr was? – Ja, ja kleine dreiste Pelznase, auch wenn du uns immer unschuldig mit deinen dunklen Kulleraugen anschaust, als ob du kein Wässerchen trüben könntest, aber du hast es faustdick hinter deine Ohrchen. Davon können wir uns fast täglich überzeugen. Wenn es anders wäre, wäre unser Alltag viel ärmer – ergo unsere ChinJulia muss einfach so bleiben wie sie ist.
Nun gut, jedenfalls „rupfte“ sie ordentlich die schöne alte Pyramide, so dass wir uns gezwungen sahen, dieselbe in die Schrankwand zu stellen, wo wir natürlich keine Kerzen entzünden konnten – Schade. An den Adventsonntagen stellten wir sie trotzdem auf den Tisch und musste von uns eben beaufsichtigt werden, war derjenige aber abgelenkt war schon ChinJulia zur Stelle und spielte Fangen mit den zarten Holzflügeln, womit sie wiederum die Drehbewegung stoppte und alles durcheinander purzelte. Tja, Advent a la ChinJulia. Selbst vor unsere selbst gestalteten Gestecke machte sie nicht halt. Alles was sie haben wollte zupfte sie sich schnell raus und weg war ChinJulia. Toll, nicht alles daran war für ChinJulia bekömmlich und so musste ich ihr das wieder abluchsen, was sie gar nicht gut fand. So bot ich ihr immer ihre Lieblingsleckerli zum Tausch an. Das klappte ganz gut, sie ließ ihre Beute fallen und schmatzte schnell das Futter auf.
Wenn wir vom Einkauf nach Hause kamen, war unser neugieriges Wollknäuel flink zur Stelle, mal sehen was da so in den Tüten versteckt ist. Putzig, wie sie auf ihrem Lieblingsstuhl saß und aufmerksam zusah wie wir den Einkauf verstauten. Natürlich war auch immer etwas für unseren ChinLiebling dabei, diese Tüte stellten wir auf den Boden und überließen es unserer ChinJulia den Inhalt rauszuwühlen. Drollig, mitten aus dem Inhalt guckte nur noch ein ChinSchwänzchen geringelt heraus, war es auch Schwerarbeit für das kleine Tierchen. Schließlich ist so eine Tüte mit getrocknetem Ecchinacea, Löwenzahn u.a. viel größer, als sie selbst. Trotzdem zog und zerrte sie daran, bis alles ausgeräumt war. Zur Belohnung gab es eine Stärkung gleich aus der Tüte. Sie steckte ihr Köpfchen in die geöffnete Packung, schnupperte, nahm mit den Zähnchen das Beste heraus und knabberte genüsslich. Das schmeckt!
Nikolaustag, ChinJulia entdeckte als Erste die gefüllten Schuhe und kramte darin. Kleines freches ChinMädchen, du hast doch extra ein kleines Näpfchen voller Mandeln, Haferflocken, Hirse usw. bekommen. Die Schokolade roch wohl zu verführerisch, weil diese eingepackt war schnurpselte sie am Apfel herum. Na gut, ein angeknabberter Apfel sei ihr gestattet. Da Julius einen kleinen Legosatz, für ein Auto, bekommen hat, sah ChinJulia darin ein neues Betätigungsfeld. Mitten in die Bauteile setzte sie sich, plumps – ich will mitmachen! Julius guckte komisch, was soll das denn nun wieder werden. Hoffentlich schnappt sie mir keine kleinen Teile weg. Fürsorglich nahm Julius die Kleinteile und legte sie auf den Tisch – damit sich seine kleine ChinFreundin nicht eventuell daran verschluckt, wenn sie das in ihr Mäulchen nimmt. So und nun bauen wir. ChinJulia sah ganz genau hin, was Julius da machte, ab und an fingerte sie mit ihren Vorderpfötchen dazwischen, eine kleine Ermahnung von Julius und sie ließ davon ab. Die beiden verstehen sich eben. Als das Auto fast fertig war, benötigte Julius die Kleinteile und nahm sie vom Tisch, in dieser kurzen Zeit bemächtigte sich ChinJulia des Autos und wollte damit loshoppeln. Ha, es war zu schwer für sie. Julius lachte über ChinJulia, schmollend saß dass kleine Wollknäuel da. Puh, spiel doch alleine.
Der Weihnachtstag begann wie bei allen Familien mit dem Aufstellen des Tannenbaumes. Das macht allen Spaß, jeder möchte seine Lieblingskugeln am Baum unterbringen, so dass er immer sehr speziell geschmückt ist. ChinJulia ließ es sich natürlich nicht nehmen, dabei ordentlich mit zu mischen. Sie hüpfte immer zwischen uns hin und her, alle waren darauf bedacht unseren eifrigen WuselChin nicht aus Versehen zu treten. ChinJulia wuselte nämlich nach der Devise – jetzt komme ich – durch das Zimmer. Schließlich setzte sie sich endlich hin und schaute dem Treiben zu. Oder plant sie schon wieder ihre nächste Aktion?
Am Nachtmittag machte ich die bunten Teller fertig und stellte sie unter den Tannenbaum. Ich betrachtete noch mal das Gesamtwerk und packte die restlichen Geschenke ein. Das rascheln muss ChinJulia bis in ihre Träume verfolgt haben, jedenfalls kam ein verschlafener ChinJulia langsam angehoppelt. Reckte sich genüsslich, ich streichelte ihr dabei das Bäuchlein – da macht sie sich gaaanz lang und räkelt sich richtig – noch mal gähnen und schütteln. Na, was gibt es Neues – fragten ihre blitzblanken Kulleraugen. Aha, was ist den dass, ChinJulia wuschelte im Papier, fand es toll das da eine Röhre zum durchkrabbeln war. Ja, huch die rollt ja weg, auweia ChinJulia ist auf den Rücken gerollt, das passte ihr gar nicht, schnell wieder rumrollen. Oje, was war das – ChinJulia macht ihrem Unmut Luft und blubberte. Hallo kleine Pelznase, das kommt von zu viel Neugier und überall reinklettern! Nachdem sie mit der Geschenkpapierrolle „Frieden“ geschlossen hat (knabberte ein ordentliches Racheloch hinein), suchte sie ein neues Abenteuer.
Mmmmmh was ist das? Bunt und bis zum Rand gefüllte „Futternäpfe“, für wen sind die wohl? Für ChinJulia? Nein, nein das ist nichts für dich mein süßes Wollknäuel. Du bekommst natürlich einen Miniteller mit einer Dattel, getrocknete Aprikose, Mandel und einer süßen Apfelspalte mit einem Tropfen Honig darauf. Mmmh, lecker. Sie setzte sich am Balkonfenster auf ihren großen Stein und schaute hinaus. Da die kleine Pelznase friedlich war, widmete ich mich ganz den Geschenken. Endlich geschafft und jetzt alles schön unter den Tannesbaum legen. Och, nee was ist das denn? ChinJulia hat sich schon vorsorglich aus dem Staub gemacht. Ein bunter Teller war übel zugerichtet, sie hatte einiges vom Teller befördert und – ich dachte ich sehe nicht richtig – mehrere Marzipankartoffeln angeknabbert, immer einen Happen genommen und dann war die nächste dran. Da bekommt die kleine ChinDame bestimmt Bauchschmerzen, hoffentlich nicht so doll. Jedenfalls kann sie dann erst mal nichts Süßes von ihrem Miniteller knabbern, dass nahmen wir wieder herunter. Bis zum Abend ließ sich ChinJulia auch nicht mehr blicken, wir sahen unter dem Bettüberwurf nach und da lag sie, schlief aber nicht. Da hat bestimmt der kleine ChinBauch gegrummelt, armes kleines ChinMädchen. Ich massierte ihr Bäuchlein, dass hat ihr gut getan.
Ja und dann war Bescherungszeit für alle, auch für unser Fellherz. Sie sprang munter durch das abgelegte Geschenkpapier, zupfte mal hier und da, wenn ihr jemand sein Geschenk hinhielt – einmal aufknabbern bitte. Darum brauchten wir nicht zweimal bitten, so hatte ChinJulia ihre Freude an den Geschenken und genoss die ihr zuteil werdende Zuwendung. Normalerweise versteckt sie sich, wenn wir Besuch haben und beobachtet das Geschehen aus sicherer Entfernung, aber diesmal kannte sie alle und zeigte keinerlei Berührungsängste. Nach einer Weile hatte ChinJulia Lust auf etwas anderes, sie setzte sich auf den großen Stein und guckte den Weihnachtsbaum an. Aha, da ist ein Chin in der Kugel eingesperrt – ätsch komm doch raus – sie tippte vorsichtig mit den Vorderpfötchen an die Kugel, es passierte nichts. Sie schnupperte und ihr Spiegelbild sah ziemlich ulkig aus, ChinJulia guckte jedenfalls pikiert. Nun packte sie mit beiden Vorderpfötchen zu, verlor das Gleichgewicht und – zupf, plumps lag sie samt Kugel ca. 10 cm tiefer. Empört schüttelte sich ChinJulia das die Ohrchen wieder schlappten. Die Kugel kullerte unter ihren Blicken noch ein Stück, hä was ist das? Ein Satz und sie hatte das Objekt ihrer Begierde wieder eingefangen. Das muss genauer untersucht werden, wieder guckte sie auf das komische Spiegelbild – eine riesige Schnuffelnase und dann der Rest vom Köpfchen - , konnte damit absolut nichts anfangen und ließ das Ganze links liegen. Da hängen noch genug bunte Glöckchen und Kugeln, es machte ihr sichtlich Freude, an die Glöckchen zu springen, um ihnen liebliche Töne zu entlocken. Ein paar Kugeln fielen ihrer Übermütigkeit zum Opfer, macht nichts. Alle hatten ihre Freude an dem munteren Fellkobold.
Wir saßen anschließend gemütlich zusammen und ließen den Abend langsam ausklingen. Plötzlich war es dunkel, nur noch eine Kerze brannte. In deren Licht konnten wir gerade noch den kleinen ÜbeltäterChin davon flitzen sehen. Was hatte sie nun wieder angestellt? Etwa das Kabel durchgeknabbert? Wir untersuchten die Lichterkette und konnten keine Knabberspuren finden, also muss schon vorher ein Defekt vorgelegen haben und dieser wurde nun durch ChinJulias übermütiges Spiel verstärkt, was letztendlich die Lichterkette matt setzte.
Das kleine ChinMädchen saß auf dem Stein am Weihnachtsbaum und schaute aus großen glänzenden Kulleraugen zu, wie wir den Schaden behoben. Irgendjemand gab ihr einen Sonnenblumenkern zum knabbern, so saß sie da und futterte ihn auf. Ich fotografierte das Szenario, wir lachten als wir das fertige Bild später sahen. ChinJulia sitzt aufrecht, das Vorderpfötchen vorm Mäulchen, guckt genau in die Kamera, daneben der Weihnachtsbaum – es sah aus wie „Upps, tschuldigung – habe ich die Lichter ausgeknipst?“.
Daran erinnern wir uns immer wieder gern und jedes Weihnachtsfest wird von unserem Wollknäuel mit lustigen Einlagen bereichert.
© 2006 Liv Ryno








