Nachtgespenst ChinJulia 39/2006

Abgelegt unter: ChinchillaStorys - Julia — Liv at 10:02 am on Freitag, November 3, 2006

© 2006  Liv Ryno

Die Abende in unserer Familie verlaufen immer ruhig, jeder ist vom Tag auf seine Weise erschöpft und sucht Entspannung. Lesen, spielen, zeichnen und schreiben, das sind unsere Lieblingsbeschäftigungen zum erholen. Dabei tankt jeder seine Kraftreserven wieder auf.

                                                 132.jpg 

ChinJulia gilt natürlich unser besonderes Augenmerk, sie mischt sich meistens in Julius’ Spiele ein. Doch am besten findet sie es, wenn sich ein Familienmitglied auf den Boden legt und beklettert werden kann. ChinJulia liebt es unter den Pullover zu krabbeln und ihren Menschen mal hier und da zu zwacken. Ausgiebige Streicheleinheiten und Kuscheln im Schaukelstuhl mag sie auch sehr gern.

Die allerschönste Zeit ist für ChinJulia gekommen, wenn wir zu Bett gegangen sind. Dann beginnt die Stunde von Nachgespenst ChinJulia! Unser Wollknäuel kennt das Abendritual sehr genau und „marschiert“  ohne zu meckern, auf die Aufforderung – fein heierle machen, fein – in ihr Häuschen, nimmt noch einen kleinen Snack zu sich, die Knuddeleinheiten bilden den Abschluss dieses Rituals. Licht aus – Gute Nacht. 

                  mein-lowenzahnheu-7109.jpg     lecker-von-claudia-empfohlen.jpg

Normalerweise war danach wirklich Ruhe, aber eines nachts, alle befanden sich schon in Morpheus Armen, Tippelte etwas durch die Dunkelheit. Hm, ach was, nur geträumt, umdrehen und weiterschlafen.

Tippel, tapp, platsch – ähm was ist das denn, Licht an, nachsehen, nichts zu sehen, also Ruhe im Geviert, Licht aus. Hm, schön wenn der Schlaf einen überkommt – ahhh, hach, huch, ne – ein Fellchen ist in meinem Gesicht gelandet und rührt sich nicht. Ein schlechter Scherz oder ein Gespenst das ChinJulia heißt? Es ist unser Wollknäuel! Das es sich geradewegs auf meinem Gesicht bequem gemacht hatte. Ich pustete unter ihren Bauch, worauf sie sich bequemte, endlich hinunter zu hoppeln, aber nicht ohne zu meckern – weil ich sie angepustet habe. So was aber auch!

Mein Schreck war aber größer, als ihre Empörung. Langsam beruhigte ich mich und ChinJulia fand es toll, so im Bett zu sitzen – schön warm und vor allem ganz nah bei ihrer Pflegemama. Das geht aber nicht kleine ChinLady, hopp, hopp wieder ins Häuschen. Widerstrebend hoppelte ChinJulia in ihr Häuschen und stärkte sich mit Gänsewein. Na gut, aber jetzt wird – fein heierle gemacht -. Licht aus, schlafen.

                                  durst.jpg mein-bett-toll-nicht.jpg

Denkste! Kaum war das Licht aus, klappern, Ruhe, tippeln, tapsen, plumps – hallo liebe Pflegemama da bin ich wieder! Oje, das kleine Nachgespenst ChinJulia sitzt auf meinem Kissen und begehrt Einlass unter die Decke. Neeein! Im nächsten Moment zwackt sie mir in die Nase – autsch – um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Nö, nu erst recht nicht! Zwack hier und da, mit den Pfötchen wird gezogen und gezerrt – mach schon auf! Bei so einer geballten ChinAttacke habe ich null Chancen.

Also bitte kleine ChinLady, mein Bett ist dein Bett, ich schlafe auch gern in deinem Häuschen – das hättest du wohl gerne, kleines Wollknäuel. Sie machte es sich bequem, lag gemütlich auf der Seite, die Hinterbeinchen elegant ausgestreckt, als Kopfkissen nutzte sie mal eben meine Hand – warm und mit Streichelfunktion. Hm, und wie soll ich dabei nun schlafen mit solch einem Bettgast? Grrr, du kleines dreistes Wollknäul, deinem Charme kann keiner widerstehen.

Da wirft man die festesten Grundsätze über Bord und lässt diesen Wuschel ins Bett. Jedenfalls ließ ich sie eine Weile bei mir ruhen und dann setzte ich sie in ihr Häuschen, mit beleidigtem Blick legte sie ihr Köpfchen auf den Teddy und sah sehnsüchtig zum Bett. Neein, du Nachgespenst, nein! Für den Rest der Nacht war auch Ruhe, aber mit dem klingeln des Weckers saß sie wieder da.

Am nächsten Abend dachte ich mir, heute beugst du einer Nachtgespenst Attacke vor und machst das Türchen von ChinJulia’s Häuschen zu. Gesagt, getan. Da haben wir aber die Rechnung ohne unserem Nachtgespenst gemacht. Wer dachte jetzt gemütlich in Morpheus Arme hineinzudämmern, irrte gewaltig.

Kaum war das Licht aus, ging ein Tumult los, als hätten wir ein Raubtier eingesperrt. Mit einer Kraft randalierte die Kleine in ihrem Häuschen, da blieb nichts an seinem Platz und zu guter Letzt schabte sie mit den Zähnchen am Gitter lang. Es machte ständig pling, pling, pling usw. Je lauter desto besser. Je mehr wir uns aufregten um so doller machte es pling …!

Ich schimpfte mit ChinJulia, sie sah mich bloß an und fing an zu fauchen. Huch, was macht sie denn nun? Jetzt wetzte sie auch noch die Zähnchen. Kleines Wollknäul was ist denn nur?

Vorsichtig machte ich das Türchen auf und wollte unseren ChinLiebling beruhigend streicheln. Nichts da, sie tatzte mit den Vorderpfötchen nach meiner Hand. So etwas macht sie doch sonst nicht, ich redete ganz ruhig auf sie ein und hielt ihr die geöffnete flache Hand hin. Normalerweise setzt sie sich dann rauf, diesmal drehte sie sich weg.

Au backe, da ist unsere ChinLady aber sehr beleidigt. Nur wegen einem geschlossenen Türchen! Soll ich mich ihrem Willen beugen? Dem Familienfrieden zu liebe gab ich nach und ChinJulia hatte ihren Spaß daran.

gute-nacht.jpg  ahm-muss-mal-schnell-2007.jpg  ahm-ich-komme-gleich.jpg

Julius quiekte jeden Abend vor Freude, wenn seine kleine Freundin zu ihm ins Bett hüpfte und mit ihm verstecken in der Bettburg spielte. Ja, aber wenn etwas nicht nach ChinJulia ihrem Köpfchen ging, dann zwackte sie auch ihren kleinen JuliusFreund. Der fand das gar nicht toll und schmollte, ChinJulia ging ihm mit den Vorderpfötchen ins Gesicht und stupste, beim schnuppern,  ihre Pelznase zufällig an seine Nase. Das kribbelt und Julius lacht wieder.

So hat unser FamilienChin jeden Abend ihre Beschäftigung mit uns und genießt es. Danach ist sie so geschafft, dass ChinJulia den Rest der Nacht wirklich auf ihrem Hochbettchen, mit ihrem geliebten Teddybären, verbringt.

  3109-gute-nacht.jpg na-gibt-es-was-neues-7109.jpg chinschwanzchen-2005.jpg

So kommt jeder zu einer erholsamen Portion Schlaf  - ohne von einem Nachtgespenst aufgeschreckt zu werden. An ihre nächtlichen Warnschreie haben wir uns schon gewöhnt, entweder hat sie etwas gehört, was ihr Angst macht oder, laut Tierdoktor, die Kleine hat Albträume. Da geht es dem süßen Wollknäuel nicht anders als uns Menschen. Aber eine kurze Beruhigung, im Halbschlaf gemurmelt, löst dieses Problem und es herrscht – Stille in der Nacht.

© 2006  Liv Ryno

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack-URI

Einen Kommentar hinterlassen

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>