Heißer Sommer 37/2006
© 2006 Liv Ryno
Der Sommer ist eine Jahreszeit die ChinJulia gar nicht mag, weil sie von Natur aus kühlere Temperaturen bevorzugt. Es ist immer schwierig bei anhaltend hohen Temperaturen ihr Umfeld so zu gestalten, dass sie sich wohl fühlt und nicht allzu sehr unter der Hitze leidet.
Der Sommer 2006 war bisher die Krönung und wie zu erfahren war, mussten viele Chinchillas diese Hitze mit ihrem Leben bezahlen. Eine Nachricht die uns alle sehr traurig machte. Umso mehr achteten wir auf unsere ChinJulia und ihr Wohlergehen.
Als erste Maßnahme wurde in „ihrem“ Zimmer Laminat verlegt, das ist doch etwas kühler an den Pfötchen als ein Teppichboden. Was wir vorher nicht so richtig bedacht hatten, das kleine Wollknäuel kam beim flitzen ganz schön ins schlittern, wenn sie „abbremsen“ wollte. So manches Mal schoss sie am Ziel vorbei. Aber mittlerweile hat sie sich recht gut daran gewöhnt und hoppelt dementsprechend vorsichtiger.
Unter das Bett legten wir ihr ein Pipituch, für das kleine Geschäft zwischendurch und eine Glasplatte. Darauf legte sie sich sehr gern, weil diese schön kühl war. ChinJulia lag lang ausgestreckt mal auf der linken und dann wieder auf der rechten Körperseite, die Hinterpfötchen in voller Länge weggestreckt. Manchmal wälzte sich unser Wollknäuel auf dem Rücken hin und her, welch eine Abkühlung.
Wenn wir zu Hause waren, konnte unser ChinMädchen „ihr“ Zimmer verlassen und in der ganzen Wohnung umher springen, sie nutzte so oft es möglich war, das kühle Bad – Fliesen, Badewanne – alles Orte wo sie ihre Pfötchen kühlte. Zum anderen bekam sie viel frischen Apfelspalten und Weintrauben angeboten, die sie gern nahm.
Aber je länger die Hitze anhielt umso mehr litt unser ChinLiebling unter Appetitlosigkeit. Uns Menschen ging es genauso, es war mehr trinken angesagt als essen. Nur bei ChinJulia wirkte sich diese Appetitlosigkeit in einem dramatischen Gewichtsverlust aus. Das kleine ChinMädchen wurde von Tag zu Tag leichter und die Knochen waren durch das dichte duftige Fell zu spüren, mir wurde richtig angst.
Also war wieder Handfütterung angesagt. Das ist sehr schwer und verlangt viel Geduld, weil ein Chinchilla nicht zwangsläufig das schluckt, was er zwischen den Zähnchen hat. Wenn etwas nicht so schmeckt wie nach Duft angenommen, wird es ruck zuck per Zunge wieder raus befördert. Nun lag ich dreimal täglich solange auf dem Boden, bis unsere ChinJulia wenigstens ein Minimum gemampft hatte, was ich dann mit einem dicken Lob honorierte. Ich freute mich über jeden Krümel den ChinJulia herunterschluckte.
Wir pflückten frischen Löwenzahn, den sie gern futterte und der Rest wurde getrocknet vertilgt. Wenig, aber wenigstens etwas. Jeden Abend nahm sie einen langen Schluck aus ihrer Wasserflasche, es gluckerte ordentlich und das war „Musik“ in unseren Ohren. Trotzdem blieb die Sorge um unser Wollknäuel. Was können wir noch verbessern, für Abkühlung sorgen. Die Fenster waren schon mit Gaze gesichert, so dass wir sie öffnen konnten, ohne dass ChinJulia nach draußen hoppeln konnte. Also nähte ich für die Tür auch einen Gazeschutz, der mit Klettverschlüssen am Türrahmen befestigt werden konnte und jedes Mal, wenn jemand hindurch wollte, abgemacht werden kann.
Damit war die Luftzirkulation in der Wohnung weiter verbessert, aber Zugluft vermieden wir penibel zum Wohl unserer ChinDame. Trotzdem litt’ unser ChinLiebling und wir mit ihr. Es war ein von Tag zu Tag hangeln und dann endlich die Abkühlung.
Unsere Pelznase nahm jeden Tag ein wenig zu, was uns natürlich sehr freute.
© 2006 Liv Ryno





