“Versteckspiel” 32/2006
© 2006 Liv Ryno
Aller guten Dinge sind drei und ChinJulia schafft es immer wieder ihre Familie vor Sorge durcheinander zuwirbeln.
So auch an diesem Tag, der eigentlich ein ganz normaler Wochentag von vielen war. Dass alltägliche Prozedere war zu absolvieren und bevor ich die Wohnung verlassen wollte schaffte ich ChinJulia immer in ihr Häuschen.
Ja, aber wo steckt der kleine KnuddelChin, rufen, locken, in jedes bevorzugte Versteck wurde geschaut – keine ChinJulia war zu hören. Die Balkontür stand offen, sie wird doch nicht etwa auf den Balkon gehüpft sein und ist dann abgestürzt. Mir wurde vor lauter Angst heiß und kalt. Hektisch ging die Suche weiter, ich schaute vom Balkon runter – nein, einen Absturz würde die Kleine nicht überleben und dort war auch absolut nichts zu sehen. Also Balkontür zu und weiter suchen.
Vor lauter Panik war die Suche nicht mehr systematisch und ich rief mir Silvio als Hilfe beim suchen. Er kam auch gleich und fragte erst mal ganz ruhig, wo ich schon überall nachgesehen habe und wo noch nicht. Dann ging es los, ich blieb im Wohnzimmer, er suchte im Zimmer wo ChinJulia ihr Häuschen stand und im angrenzenden Ankleideraum. Die Minuten kamen mir endlos vor und die ersten Tränen kullerten.
Plötzlich hörte ich Silvio ganz beruhigend sprechen, er redete auf die kleine ChinJulia ein. Juchu, sie ist gefunden! Wo hatte sie gesteckt? Erst einmal uninteressant, ChinJulia saß in der großen Männerhand und zitterte.
Was war nur passiert? Silvio erzählte mir, dass er sie hinter einem Aufbewahrungskarton eingeklemmt gefunden hat. Ich wurde ganz blass, dort habe ich doch auch gesucht, jeden Karton nach vorn gezogen und per Fuß wieder unter das Regal geschoben – ICH habe der Kleinen das angetan! Es ist beschämend, ein Mensch den ChinJulia sehr mag, klemmt sie hinter einen Karton ein.
Da ist mir ein erschreckender Fehler unterlaufen. Sie wollte gar nicht die schützenden, wärmenden Männerhände verlassen. Ihre Kulleraugen blickten mich traurig und vorwurfsvoll an. Ganz erschöpft wollte ChinJulia nur noch eines – schlafen.
Behutsam trug Silvio sie zu in ihrem Lieblingsschlafplatz – mein Bett, ruck, zuck verschwand sie unter den Überwurf und rollte sich zusammen, es war nur noch eine „kleine Beule“ im großen Bett zu sehen.

Tja und wie entschuldigt man sich nun bei ChinJulia, zumal sie mich mit Nichtachtung strafte. Jedes Mal wenn ich in ihre Nähe kam, verschwand sie schnell aus meinem Aktionsradius – wer weiß was dieser Mensch noch so drauf hat!? Es dauerte eine ganze Weile, bis ich das Vertrauen unseres kleinen Wollknäuels zurück gewann.
© 2006 Liv Ryno

