Fenstergucken mit ChinJulia 31/2006
© 2006 Liv Ryno
Fenster haben für jeden eine Faszination, man kann rausschauen, ohne Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Zumal wir einen tollen Ausblick haben, einen grünen Horizont weil sich dort ein Tierpark und der Fürst-Pückler-Park befinden. Wenn dort Events stattfinden, genießen wir die Höhenfeuerwerke sozusagen aus der ersten Reihe.
ChinJulia entwickelte mit der Zeit auch eine Vorliebe für’s aus dem Fenster schauen. Abends wenn das Tagwerk erledigt ist, kommt die Zeit zum Entspannen vor dem Zubettgehen. ChinJulia kommt sofort angehüpft, wenn ich im Schaukelstuhl sitze, macht es sich in meinem Arm bequem und genießt sichtlich das sanfte Schaukeln. Manchmal schließt sie vor lauter Genuss ihre Kulleraugen.
Ach ist das eine Wonne und wir werden total relaxt, der Tag kann noch mal Revue passieren, eine innere Zufriedenheit stellt sich ein. ChinJulia bemerkt so etwas und ist dann besonders schmusig, lange Streicheleinheiten sind dann ihr Begehr. Das Köpfchen dreht sie mir so zu, das genau dort gestreichelt wird wo es ihr besonders gut tut.
Ist der Himmel klar und die Sterne glitzern am Nachthimmel, macht das Fenstergucken besonders viel Spaß. ChinJulia sitzt auf meiner Hand, die andere stützt sie von vorn, hinten lehnt sie in meiner Halsbeuge, so schaut sie sicher geschützt aus dem Fenster – wohlgemerkt dem geschlossenen Fenster!
Das erste Mal hat sie jedes Mal, wenn ein Auto unten vorbeifuhr, ihr Köpfchen versteckt. Nun war sie schon mutiger und schaute neugierig dem vorbeihuschenden Licht hinterher, hob das Köpfchen und guckte mich fragend an. Ja, kleine ChinJulia das ist nichts bedrohliches, alles fein. Das beruhigte ChinJulia.
Besonders interessant war es bei Vollmond, unsere Pelznase guckte wie hypnotisiert den Mond an und ließ sich ungern beim betrachten der „Leuchtkugel“ stören. Was mochte sie wohl gedacht haben, wir können es nur erahnen und liegen dann bestimmt immer noch falsch. Jedenfalls hatte sie dann eine besondere Ausdauer im Fenster gucken.
Manchmal hatten wir auch das Glück die eine und andere Sternschnuppe zu sehen, besonders Anfang August wiederholt sich dieses schöne Schauspiel jährlich. Wenn ChinJulia eine gesehen hat, was hat sie sich gewünscht? Viele Streicheleinheiten, viele Leckereien und viele neue Abenteuer? Wer weiß!
Die Highlights sind jedoch, wie anfangs erwähnt, die Höhenfeuerwerke. Sie werden mit drei Böllerschüssen angekündigt, Zeit genug um ChinJulia bequem auf den Arm positionieren, Julius eine gute Sicht zu ermöglichen und los ging das glitzernde Vergnügen.
Meist waren die Feuerwerke nach Musik gestaltet, einfach phantastisch. ChinJulia bekam große Kulleraugen vor lauter staunen und zeigte keinerlei Angst – schließlich saß sie ja ganz dicht an ihre Pflegemama gekuschelt. Niedlich wie das Köpfchen manchen Glitzerkugeln folgte, dann schaute sie mich wieder an – ja fein – und sie war zufrieden.
Julius war auch ganz begeistert von der Masse der abgefeuerten Raketen, die am Himmel ihre ganze Schönheit entfalteten, leider ein schnell vergänglicher Kunstgenuss. Trotzdem behält man die Erinnerung daran und wie und mit wem man diesen Event erlebt hat.
Ob unsere ChinJulia auch solche Erinnerungen speichern kann oder vergisst sie alles ganz schnell? Ich glaube schon, dass sie ein gutes Gedächtnis hat, denn sonst wäre sie ja nicht so lange beleidigt, wenn etwas nicht nach ihrer Pelznase geht. Und vor allem hat sie alles was sie gelernt hat, immer abrufbereit, dazu aber in einer eigenen Episode.
Gewitter anschauen gehört nicht zu ChinJulias Lieblingsbeschäftigungen. Regen und Schnee ja, aber diese bedrohlichen dunklen Wolken, die dazu noch grummeln und unkontrolliert zuckende Lichter ausspeien, das ist zuviel für unser Wollknäuel. Die Ohren total gespitzt, der kleine Körper angespannt – alles an ihr in voller Fluchtbereitschaft.
Wenn nur diese Neugier nicht wäre – ich habe zwar Angst, aber muss doch mal einen winzig kleinen Blick riskieren – huch, schnell bei meiner Pflegemama verstecken. Ja, fein ChinJulia, du bist schon mutig.
Diese Zeit am Fenster gehört mit zu den innigsten Momenten im Zusammenleben mit ChnJulia. Kopf an Kopf und ein kleiner ChinKopf, das ist bestimmt ein drolliges Bild.
© 2006 Liv Ryno

