Julius ist nicht da 14/2006
© 2006 Liv Ryno
Auch ein kleiner Mann wie Julius braucht eine Auszeit und was gibt es da besseres als eine Kurzreise zu den Großeltern. Er freute sich darauf, stellte fürsorglich für seine kleine Pelzfreundin Spielzeug hin damit sie etwas zum schnuppern hat. Streichelte sie noch mal auf Vorrat, wie er sagte.
ChinJulia guckte ein wenig komisch und verschwand erst mal in ihrem Häuschen und futterte. Aus Hunger oder vielleicht aus Frust weil ihr Julius weg war. Noch vermisste sie ihn nicht aber sie spürte wohl, dass etwas anders ist als sonst. Spätestens am Nachmittag bemerkte sie da fehlt doch einer! Kein Getrappel und Hallo kleine Maus wir sind wieder da.
Sie kam zwar wie immer gucken nahm ihre Streicheleinheit mit, aber der Blick aus ihren Kulleraugen war suchend. ChinJulia setzte sich auf den Stuhl, wo sie immer zu sitzen pflegt und sah sehnsüchtig zu der Spielzeugeisenbahn hin. Keiner der dort heute spielt und mir das Neueste zeigt, keiner der mit seinen kleinen Händchen ihr ein leckeres Körnchen hinhält. So was aber auch schmollend hüpfte sie unters Bett in ihre “Ich bin eingeschnappt” Ecke.
So geht das natürlich nicht. Ich legte mich auf den Boden und sprach sie an, ihre Reaktion - ts nein ich will nicht! ChinJulia drehte mir ihren entzückenden Rücken zu selbst auf mein vorsichtiges antippen am Schwänzchen reagierte sie mit einkringeln desselben und gab einen beleidigten Abwehrlaut von sich. Also ließ ich ChinFräulein “Rühr mich heute bloß nicht an” sitzen und ging meinem gewohnten Ablauf nach.
ChinJulia guckte ab und zu unterm Bett hervor aber jedes mal wenn ich sie ansprach gab sie einen beleidigt klingenden Laut von sich und weg war sie. Dann eben nicht! Später saß ich am Zeichentisch und arbeitete, ich war ganz vertieft in meine Zeichnung und plötzlich sprang mir ChinJulia auf den Schoß.
Das kleine Wollknäuel ist immer wieder für Überraschungen gut. Mit ihren typischen Chinrufen (schade das wir keine Aufnahmen der “Sprache” haben) suchte sie nun Zuneigung. Die sie auch prompt bekam, wir knuddelten ausgiebig. Ich wurde wieder mit ChinLiebe eingedeckt, mal hier knabbern, mal da rumwuscheln. Sie durfte auch ausnahmsweise mal auf den Zeichentisch und gucken was es da so alles gibt.
Aber die Nähe zu ihrer Pflegemama war ihr wichtiger und schwups saß sie schon wieder auf meinem Arm. Die restliche kurze Zeit bis zur Nachtruhe verbrachten wir mit spielen. Ich baute ihr aus einer Decke einen Tunnel den sie begeistert untersuchte und immer wieder flitzte sie hindurch. Mich nahm sie wieder als Kletterburg in Anspruch. Nach einer ganzen Weile wurde sie müde und hungrig.
Das war das Zeichen zur Nachtruhe sie hüpfte in ihr Häuschen und nahm erst mal einen tiefen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Hm leckere Körnchen und süßer Apfel rundeten ihr Betthupferl ab. Danach verschwand sie auf ihrem “Hochbettchen” mit kleinen Kuschelkissen und ihrem Miniteddy.
Gute Nacht kleines Fellherzchen dein Julius kommt übermorgen schon wieder zurück.
© 2006 Liv Ryno/

